Daten sind heute eine der wertvollsten Ressourcen in Wissenschaft und Forschung – doch ihre systematische Sammlung, Verarbeitung und Zugänglichkeit stellen viele Institutionen vor Herausforderungen. In der Schweiz hat sich in den letzten Jahren eine neue Plattform etabliert, die diesen Prozess entscheidend vereinfacht: https://divaspin.diva-spin.ch/. Entwickelt vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und der ETH Zürich, verbindet diese Lösung traditionelle Bibliothekslogistik mit modernster digitaler Infrastruktur. Während andere Plattformen oft auf nationale Datenbanken beschränken bleiben, ermöglicht DIVA-SPIN eine flächendeckende Integration von Forschungsdaten – von der Dissertation bis zur komplexen empirischen Studie – und schafft damit die Grundlage für eine neue Ära der interdisziplinären Forschung.

Das Kernkonzept von DIVA-SPIN basiert auf der Idee einer zentralen, aber dezentralen Datenarchitektur. Während die technische Infrastruktur von der ETH Zürich bereitgestellt wird, werden die eigentlichen Datensätze von Schweizer Hochschulen, Forschungsinstituten und Unternehmen selbst verwaltet. Diese dezentrale Struktur reduziert nicht nur die Abhängigkeit von einzelnen Institutionen, sondern ermöglicht auch eine transparente und nachhaltige Langzeitpflege. Besonders wertvoll ist dabei die Integration von Metadatenstandards wie Dublin Core und der FAIR-Prinzipien (Findable, Accessible, Interoperable, Reusable). Diese Standards sorgen dafür, dass Daten nicht nur für die eigene Forschungsgruppe zugänglich sind, sondern auch für andere Wissenschaftler:innen weltweit.

Ein zentraler Vorteil von DIVA-SPIN liegt in seiner Fähigkeit, unterschiedliche Datentypen zu verwalten – von Textdokumenten über digitale Proben bis hin zu komplexen Simulationen. Die Plattform unterstützt dabei nicht nur die klassische Dissertationsabgabe, sondern auch die Einreichung von Forschungsdaten als eigenständige Publikation. Ein konkretes Beispiel zeigt sich bei der Universität Genf: Dort wurden in den letzten zwei Jahren über 1500 Forschungsdatenbestände via DIVA-SPIN eingereicht, davon rund 400 mit zusätzlichen Metadaten angereichert, die eine direkte Nutzung in anderen Studien ermöglichen. Besonders im Bereich der Lebenswissenschaften hat sich die Plattform als entscheidender Faktor für die Reproduzierbarkeit von Studien erwiesen – ein Thema, das aktuell weltweit diskutiert wird.

Doch DIVA-SPIN ist nicht nur ein technisches Werkzeug, sondern auch ein kultureller Wandel. Viele Forscher:innen stehen vor dem Problem, dass ihre Daten oft in verschiedenen Formaten und Systemen gespeichert sind – von persönlichen Cloud-Ordnern bis zu veralteten Datenbanken. Die Plattform hilft dabei, diese Fragmentierung zu überwinden, indem sie eine einheitliche Schnittstelle bietet. Ein besonders innovatives Feature ist die Möglichkeit, Daten mit Open-Access-Lizenzen zu veröffentlichen, was die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern deutlich erleichtert. Laut einer Umfrage unter Schweizer Forscher:innen im Jahr 2023 nutzen bereits 68 Prozent der befragten Wissenschaftler:innen die Plattform, um ihre Daten zu archivieren – ein Wert, der in den letzten drei Jahren um über 30 Prozent gestiegen ist.

Trotz dieser Fortschritte gibt es weiterhin Herausforderungen. Besonders kritisch ist die Frage der Langzeitpflege – viele Datenbanken sind auf lokale Server angewiesen, was bei technischen Problemen oder Datenverlusten zu Risiken führt. DIVA-SPIN versucht hier durch die Integration mit dem Schweizerischen Nationalarchiv und der ETH Cloud eine robuste Lösung zu bieten. Ein weiteres Problem sind die hohen Anfangskosten für die Einrichtung von Datenarchiven, was besonders an kleineren Hochschulen zu Rückschritten führen kann. Hier setzt die Plattform auf eine kostengünstige Modellvariante für kleine Forschungsgruppen, die über eine kostenlose Basisversion verfügt.

Zukünftig wird DIVA-SPIN voraussichtlich noch stärker in die Forschungsförderung integriert werden. Der Schweizerische Nationalfonds plant, ab 2025 eine neue Richtlinie einzuführen, die eine obligatorische Datenveröffentlichung für alle Forschungsprojekte verlangt, die mit öffentlichen Mitteln gefördert werden. Dies würde nicht nur die Qualität der Forschung verbessern, sondern auch die Plattform weiter etablieren. Gleichzeitig arbeitet DIVA-SPIN an einer Erweiterung seiner API, um die Integration mit anderen Forschungssoftware-Tools wie RStudio oder Python zu erleichtern – ein Schritt, der die Plattform noch attraktiver für Data Scientists machen könnte.